
Bei der professionellen Schimmelbehandlung kann es – abhängig von Befund, Material, Nutzung und Zielsetzung – sinnvoll sein, das vorhandene Schimmelwachstum weitgehend zu stoppen, deutlich zu reduzieren und insbesondere die Anzahl lebensfähiger Sporen zu minimieren. In solchen Fällen stellt der Einsatz von Wasserstoffperoxid ein fachlich anerkanntes Verfahren dar, dessen Wirksamkeit wissenschaftlich und regulatorisch belegt ist.
Wasserstoffperoxid wirkt über einen oxidativen Mechanismus, bei dem reaktive Sauerstoffspezies Zellmembranen, Proteine und Nukleinsäuren schädigen. Dadurch werden Schimmelpilze nicht nur oberflächlich entfernt, sondern inaktiviert, einschließlich ihrer widerstandsfähigen Sporenformen. Ziel des Einsatzes ist es nicht, bauliche oder feuchtebedingte Ursachen zu beseitigen, sondern das mikrobielle Wachstum wirksam zu unterbrechen und die Re-Kontaminationsgefahr zu reduzieren.
Die sporizide Wirksamkeit von Wasserstoffperoxid ist in der wissenschaftlichen Literatur umfassend dokumentiert. Die maßgeblichen Leitlinien der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) beschreiben für stabilisiertes Wasserstoffperoxid in einer Konzentration von 7 % eine sporizide Wirkung im quantitativen Trägertest bei einer Einwirkzeit von sechs Stunden.
Vor diesem Hintergrund ist fachlich nachvollziehbar, dass bei höheren Konzentrationen (z. B. 11,9 %) in Kombination mit einer ausreichend langen Einwirkzeit von einer zuverlässigen Inaktivierung von Schimmelpilzen und deren Sporen ausgegangen werden kann – vorausgesetzt, die Anwendung erfolgt sachgerecht und entsprechend den technischen Regeln.
Diese Bewertung wird durch grundlegende Arbeiten zur Wirkweise von Desinfektionsmitteln gestützt, in denen Wasserstoffperoxid als wirksames Mittel gegen ein breites Spektrum von Mikroorganismen einschließlich Sporen beschrieben wird.
In der wissenschaftlichen und technischen Fachsprache wird bei der Behandlung von Schimmelpilzen und anderen Mikroorganismen bewusst der Begriff „Inaktivierung“ verwendet und nicht von einer vollständigen „Abtötung“ gesprochen. Hintergrund hierfür sind sowohl mikrobiologische als auch methodische und rechtliche Gründe.
Schimmelpilze bestehen aus unterschiedlichen biologischen Strukturen, darunter aktive Zellverbände (Myzel) sowie widerstandsfähige Dauerformen wie Sporen. Während durch wirksame Desinfektionsverfahren – wie den Einsatz von Wasserstoffperoxid – die Vermehrungsfähigkeit und Stoffwechselaktivität zuverlässig unterbunden werden können, lässt sich unter praktischen Bedingungen nicht in jedem Fall mit letzter Sicherheit nachweisen, dass jede einzelne biologische Struktur vollständig zerstört wurde.
In der Mikrobiologie gilt ein Mikroorganismus daher als inaktiviert, wenn er
Diese Definition ist auch Grundlage für die Bewertung von Desinfektionsverfahren in wissenschaftlichen Studien und behördlichen Leitlinien. Entsprechend sprechen Fachliteratur und Normen konsequent von sporizider, fungizider oder inaktivierender Wirkung, nicht von einer absoluten Abtötung.
Hinzu kommt, dass der Nachweis einer vollständigen Abtötung aller Sporen unter realen baulichen Bedingungen (z. B. poröse Materialien, Hohlräume, mikroskopische Risse) methodisch kaum möglich ist. Die Verwendung des Begriffs „Inaktivierung“ stellt daher eine fachlich korrekte, ehrliche und belastbare Beschreibung der Wirkung dar.
Entscheidend für die Praxis ist, dass inaktivierte Schimmelpilze und Sporen kein weiteres Wachstum mehr verursachen und keine relevante Vermehrungs- oder Ausbreitungsfähigkeit besitzen. Genau dieses Ziel wird durch den sachgerechten Einsatz von Wasserstoffperoxid erreicht.
Die Verwendung des Begriffs „Inaktivierung“ entspricht somit dem Stand der Wissenschaft, vermeidet fachlich unzulässige Absolutaussagen und sorgt für eine transparente, sachliche Kommunikation gegenüber Auftraggebern, Behörden und Sachverständigen.
Je nach baulicher Situation und Zielsetzung kann Wasserstoffperoxid sowohl direkt auf Oberflächen aufgebracht als auch vernebelt werden. Die Nebelapplikation stellt eine anerkannte Methode dar, um auch schwer zugängliche Bereiche, Hohlräume und Oberflächen mit komplexer Geometrie zu erreichen.
Studien zur Wasserstoffperoxid-Vernebelung (Hydrogen Peroxide Vapour) belegen die Inaktivierung hochresistenter Mikroorganismen einschließlich Sporen. Damit eignet sich diese Applikationsform insbesondere zur Reduzierung mikrobieller Belastungen in Bereichen, die mit klassischen mechanischen Verfahren nur eingeschränkt erreichbar sind.
Zu beachten ist natürlich der Arbeitsschutz!
Wasserstoffperoxid ist im europäischen Rechtsrahmen als Biozid-Wirkstoff anerkannt. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) führt Wasserstoffperoxid als genehmigten Wirkstoff gemäß der EU-Biozidprodukte-Verordnung (VO (EU) Nr. 528/2012) für Desinfektionsanwendungen. Diese Zulassung bestätigt die antimikrobielle Wirksamkeit des Wirkstoffs auf regulatorischer Ebene.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Wasserstoffperoxid – wenn der Einsatz fachlich sinnvoll ist – ein wirksames und wissenschaftlich belegtes Mittel darstellt, um
Bei sachgerechter Auswahl von Konzentration, Applikationsform und Einwirkzeit entspricht der Einsatz von Wasserstoffperoxid dem Stand der Wissenschaft und Technik und stellt eine anerkannte Ergänzung innerhalb eines ganzheitlichen Schimmelbehandlungskonzepts dar.
Der Einsatz von Wasserstoffperoxid dient ausschließlich der Reduzierung bzw. Inaktivierung vorhandenen Schimmelwachstums und von Schimmelpilzsporen. Er ersetzt nicht die notwendige Beseitigung der Ursachen für den Schimmelbefall, wie Feuchteeinträge, bauliche Mängel, Kondensationsprobleme oder nutzungsbedingte Einflüsse.
Eine nachhaltige Lösung kann nur erreicht werden, wenn Ursachenanalyse, bauliche bzw. nutzungsbezogene Maßnahmen und mikrobiologische Behandlung sinnvoll aufeinander abgestimmt sind. Die Wasserstoffperoxidbehandlung stellt in diesem Zusammenhang eine ergänzende, unterstützende Maßnahme dar, um das Schimmelwachstum wirksam zu stoppen oder zu minimieren und die Ausgangssituation für weiterführende Sanierungsmaßnahmen zu verbessern.
Zum Abschluss einer Schimmelsanierung ist es erforderlich, verbleibende Schimmelpilzpartikel durch eine gründliche Feinreinigung zu entfernen. Dies erfolgt insbesondere durch den Einsatz von Spezialstaubsaugern der Staubklasse H (H-Sauger) zur sicheren Aufnahme von Schimmelsporen und kontaminierten Stäuben. Ergänzend wird die Reinigung der Raumluft durchgeführt, um verbliebene luftgetragene Partikel zu reduzieren.
Die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen wird anschließend im Rahmen einer Freimessung überprüft. Diese erfolgt gemäß dem WTA-Merkblatt 4-12 „Ziele und Kontrolle von Schimmelpilzschadensanierungen in Innenräumen“ (Ausgabe 05/2021) sowie unter Berücksichtigung der Vorgaben des Schimmelpilzleitfadens des Umweltbundesamtes.
Die Bewertung der Messergebnisse erfolgt stets zustandsbezogen, das heißt unter Berücksichtigung des jeweiligen Raumzustands (z. B. Rohbau, teilfertiger oder fertig ausgebauter Innenraum), um eine fachlich korrekte und praxisgerechte Beurteilung der Sanierungsqualität sicherzustellen.
Wenn Sie in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Immobilie mit einem Schimmelbefall konfrontiert sind oder Unsicherheiten hinsichtlich der richtigen Vorgehensweise bestehen, unterstützen wir Sie kompetent und strukturiert durch alle erforderlichen Schritte. Ziel ist es, für Sie eine fachlich sichere und nachvollziehbare Lösung zu schaffen.
Unsere Leistungen für Sie umfassen unter anderem:
So stellen wir sicher, dass Sie sich auf eine fachgerechte, transparente und nachhaltige Vorgehensweise verlassen können – von der ersten Einschätzung bis zum qualitätsgesicherten Abschluss.
Autor:
Dipl.-Ing. (FH) Waldemar Bothe
Sachverständiger für Schimmelpilzsanierung