
Protokoll zum Symposium beim IHF in Innsbruck am 04.12.2025, 14:00-16:00h

Prof. Zißler (TH Rosenheim/TTZ) stellte den Stand der Forschung und den Bedarf an der Umsetzung neuer Forschungsergebnisse heraus. Die UBA/AIR-Richtwerte für TVOC und Terpene/Aldehyde/Carbonsäuren erfordern eine Neueinschätzung, um die Förderung des Holz- und Hybridbaus zu gewährleisten und diesen nicht unnötig zu behindern. Dies erfordert weiterführende Forschungsbemühungen. Forschungseinrichtungen wie die TH Rosenheim/TTZ, die Hochschule Weimar und das Thünen-Institut untersuchen aktuell mögliche gesundheitliche Neubewertungen der durch Holz emittierten VOC. Prof. Zißler stellte sein neues Forschungslabor zur gesundheitlichen Bewertung von Baustoffen vor, in welchem die toxikologischen Auswirkungen von Baustoffen, beispielsweise Kiefernholz, verifiziert und deren Unbedenklichkeit nachgewiesen werden können.

Karl-Heinz Weinisch, Sachverständiger für Innenraum-hygiene, erläuterte die Zusammenhänge zwischen AgBB-Produktprüfungen und den VOC-Richtwerten des UBA/AIR für die Raumluftbewertung. Er thematisierte dabei insbesondere die Anforderungen von Gebäude-zertifizierungen wie QNG, DGNB, BiRN und BNB, deren VOC-Zielwerte teils strenger sind als die Empfehlungen des Umweltbundesamtes. Weinisch warnte, dass diese Standards – insbesondere bei holzbasierten VOCs – die Pflichten im Holzbau massiv erweitern. Dies gefährde nicht nur die Existenz kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU), sondern stelle auch die Verwendung von Kiefernholz grundsätzlich infrage.

Waldemar Bothe (Ingenieur für Umweltmesstechnik) präsentierte die unterschiedlichen Messmethoden hinsichtlich der Raumluft und des Raumklimas. Die Analyseverfahren weisen eine sehr hohe Empfindlichkeit auf und schon vor einer Raumluftmessung beeinflussen eine fehlerhafte Raumvorbereitung und extreme Klimabedingungen die Messergebnisse enorm. Aus der Praxis wurden positive wie auch negative Erfahrungen mit Vor-Ort-Sensormessungen beleuchtet und ergänzend wichtige Informationen zu den Messvorbereitungen vermittelt. Demzufolge sollten Holz-/Hybridgebäude nur von erfahrenen Messtechnikern bei standardisierter Messraumvorbereitung und normalen Lüftungs- und Klimabedingungen geprüft werden.

Der Ingenieur für Holztechnik Robert Simon stellte die normgerechten Feuchtemessmethoden und die Trocknungstechniken der verschiedenen Holzwerkstoffe auf der Baustelle vor.

Die Biologin Pamela Jentner verdeutlichte in ihrem Vortrag, dass Auffeuchtungen und Pilzbefall während der Bauzeit nicht nur ein spezifisches Problem des Holzbaus sind, sondern alle Material- und Bautypen betreffen. Sie zeigte auf, wie eine regelgerechte Trocknung und Pilzsanierung durchgeführt werden muss. Viele Pilzspezies im Rohbaubereich sind jedoch einfach und schnell zu sanieren und müssen bei raschem Handeln nicht zwangsläufig ein Problem darstellen. Sie präsentierte rechtssichere Handlungsanweisungen, deren strikte Einhaltung für Holz- und Hybridbauunternehmen dringend empfohlen wird. Auf diese Problemstellung wird auf dem Kongress BGT_programm_DE_2024.pdf (Bauphysik, Feuchte- und Gesundheitsschutz) fachlich noch eingegangen.

Die Sachverständige für Innenraumschadstoffe und Gerüche, Dr. Andrea Burdack-Freitag, verdeutlichte anhand aktueller Studien, dass Holz-Geruchsstoffe und -VOCs in der Regel deutlich unter toxikologisch relevanten Grenzwerten liegen und damit überwiegend keine gesundheitlichen Risiken erwarten lassen. Zugleich wurde gezeigt, dass die Geruchs-wahrnehmung deutlich sensibler reagiert als toxikologische Bewertungsmaßstäbe und deshalb häufig zu Beschwerden führt, obwohl Richtwerte eingehalten werden. Im Zentrum Ihrer Präsentation standen die aus Geruchsschwellen abgeleiteten Geruchsleitwerte GLW, deren statistische Herleitung, methodische Unsicherheiten und die damit verbundene Gefahr einer Über- oder Unterbewertung von Fehlgerüchen in gutachterlichen Entscheidungen. Kritisch hervorgehoben wurde, dass eine geplante Einführung solcher Leitwerte als harte Entscheidungsgrundlage bei Rechts- und Versicherungsfragen Konflikte hervorrufen kann, wenn komplexe sensorische und kontextabhängige Geruchs-wahrnehmungen auf rein numerische Kriterien verkürzt werden.
Zusammenfassung der Diskussion:
In der anschließenden Diskussion wurden die vertragsrechtlichen Konsequenzen aufgrund eines nicht ausgeschriebenen oder lückenhaft ausgeführten Witterungsschutzes thematisiert. Es wurde erörtert, wie zukünftig auch Bauherrschaft und Planer konsequenter in die Pflicht genommen werden könnten. Der Mangelbegriff in Bezug auf Feuchtegehalt und Schimmelpilzbefall während der Bauzeit sollte zudem klarer definiert werden. Eine erweiterte Anpassung des Bauvertragswesens (BGB/VOB) bezüglich der "Besonderen Leistung wegen Wettereinfluss" wird bei Baurechtsanwälten angefragt.
Es wurde die Notwendigkeit betont, die bisherigen Bemühungen der Verbände stärker zu unterstützen, und die Belange der gesamten forstlichen und hölzernen Wertschöpfungskette – von den Waldbesitzern über die Sägewerke und den Holzhandel bis hin zum Holzbau vereint vorzutragen. Dies dient dazu, politische Rahmenbedingungen zu korrigieren, die den weiteren Ausbau des nachhaltigen und klimafreundlichen Holz- bzw. Hybridbaus sowie die Realisierung des sozialen Wohnungsbaus unnötig erschweren. Verbände wie der DHV, DHWR, Holzbau Deutschland, ZMH und 81fünf drängen aktuell in Berlin auf eine Neubewertung und Anpassung der holzspezifischen Richtwerte, insbesondere fordern sie die Eliminierung des TVOC-Summenwertes. Hauptargument ist, dass die aktuellen Grenzwerte wissenschaftlich unzureichend fundiert sind und keine tragfähigen toxikologischen Grundlagen besitzen. Eine gute finanzielle und personelle Unterstützung prominenter Branchenvertreter, darunter Denny Ohnesorge und Ahmed Al Samarreie, ist zur Erreichung dieser Ziele unerlässlich.
Die MVV TB (Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen) führt aktuell die LCI-Wertanpassung (Lowest Concentration of Interest) als Anforderungen für die Bewertung der Emissionen von Bauprodukten in die Landesbauordnungen (LBO) ein, was die Diskussion über die Neueinstufung von VOC-Richtwerten neu entfachen dürfte. Eine Angleichung der Richtwerte des UBA/AIR (Umweltbundesamt/Ausschuss für Innenraumrichtwerte) für die Innenraumluftqualität an diese LCI-Werte für Bauprodukte wird im Bereich der holzeigenen VOC leider noch nicht vorgenommen und ist überfällig.
LCI-Werte (MVV TB): Dienen der Produktbewertung und legen fest, welche Emissionen ein Bauprodukt maximal in die Prüfkammer abgeben darf, um als verkehrsfähig zu gelten (präventiver Produktschutz).
UBA/AIR-Werte: Dienen der Bewertung der tatsächlichen Innenraumluft und legen fest, welche Konzentration in der Raumluft als akzeptabel oder vorsorgeorientiert gilt (Gesundheitsschutz der Nutzer).
Abschließend wurde die rechtliche Frage aufgeworfen, ob es grundsätzlich und gemäß europäischem Wettbewerbsrecht erlaubt ist, Handelsbeschränkungen in Bezug auf den Baustoff Holz, insbesondere Kiefernholz aufgrund seiner Terpen-Emissionen (wie Alpha-Pinen), durch ein Mitgliedsland wie Deutschland einzuführen. Eine solche nationale Maßnahme könnte den freien Warenverkehr von Kiefernholz aus EU-Mitgliedsländern wie Deutschland, Frankreich, Polen, den baltischen Staaten oder Schweden und Finnland möglicherweise unzulässig behindern und somit gegen die Artikel des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) verstoßen.
Vorschau:
Die STIFTUNG B.A.U. und die TH Rosenheim möchten in der Anlage und unter https://events.forum-holzbau.com/BGT/Programm.php (Bauphysik, Feuchte- und Gesundheitsschutz) auf die nächsten Veranstaltungen zu den o.g. Themen hinweisen. Wir bitten um zahlreiche Unterstützung.
Unterstützer der Veranstaltung:
